Cock a Leekie

6Jun/100

JA JA

Nun gut. Es gibt wohl allem Anschein nach eine Sympathiewelle, die über Joachim Gauck zusammenschlägt. Da ist einer, der kann irgendwie reden. Und: Der hat ja was erlebt. Oder? Der bringt was mit, das wohl irgendwie anders ist als ne Parteikarriere, um mal Sigmar Gabriel zu paraphrasieren.

Ich selbst finde Bundesprädsidentenwahlen herzlich egal. Gesine Schwan? Eine andauernde Kukident-Reklame. Horst Köhler? Sparkasse als Prinzip. Und Johannes Rau? Bedauerlich - vor allem für ihn.

Überhaupt - mal abgesehen davon, ob man eine solche politische Ordnung wie die der BRD überhaupt bestrebenswert oder auch nur interessant findet - was ist denn dieses Amt? Irgendwie ein Abonnement aufs Taschentuch. Der Präsident ist ja wenig mehr als der Grüß-August aufm Sommerfest der Bunderegierung.

Und doch - ich geb jetzt ein Bekenntnis ab - freut mich die Kandidatur von Joachim Gauck. Und zwar aus folgendem Grund: Der ist einer, der bezeichnet sich als linken, liberalen Konservativen. Das ist natütrlich albern, aber ich meine, dass er damit eine Idee von Freiheit verbindet - und diese Idee hat etwas mit meiner politischen Sozialisation zu tun (ich komm ausm Osten). Diese Idee von Freiheit ist nämlich nicht die "Freihet des Einzelnen," wie uns Freiheit im Allgemeinen und die Geschichte der "Friedlichen Revolution" im Besonderen gerne gezeigt oder erzählt werden. Freiheit - im Sinne von Gauck - heißt, sich einzusetzen, unbequem sein und Risiken eingehen. Gauck, Freya Klier, Ulrike Poppe, Markus Meckel  und - natürlich - Bärbel Bohley und die vielen anderen haben sich ausgesetzt. Sie sind später mit Glück mehr oder minder weich gefallen. Aber doch, sie haben sich eingesetzt. Das Handeln beginnt womöglich an einer anderen Stelle - dort, wo es auch mir weh tut. Gauck hat sich daran versucht.

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