Cock a Leekie

27Mai/100

VERSTIMMUNG

Vielleicht ist es meine Prüfungsvorbereitung, vielleicht dieser Mai, vielleicht meine Erkältung - ich weiß es nicht. Aber mich hat bei meiner Lektüre eine Textstelle in Krachts "Faserland" beschäftigt, die mir vorher nie aufgefallen war. Genau genommen hat sie mich ziemlich getroffen, was ich mir gar nicht erklären kann, aber am Ende versucht man es ja doch...

Wie funktioniert das nun eigentlich, wenn man sich an jemanden wendet, den man nicht kennt, obwohl oder gerade weil man den Menschen nicht kennt, aber das Bild - obwohl oder gerade weil es sich um eine Hülle handelt, Projektion, Gefäß? Wie entsteht dieses symbolisch aufgeladene Bild und was heißt dann das Denken dieses Bildes?

"Also, ich rauche meine Zigarette, die mir gar nicht gut schmeckt, und ich merke, daß ich eigentlich hundemüde sein müßte, weil ich ja diese Nacht nicht geschlafen habe, aber komischerweise fühle ich mich überhaupt nicht müde, sondern völlig wach, so als ob ich die Müdigkeit schon überwunden hätte, und ich drücke den Service-Knopf, und als die Stewardeß kommt, bestelle ich einen Kaffee und einen Bourbon, obwohl es erst acht Uhr morgens ist. Ich denke weiter an Isabella Rossellini, eigentlich lasse ich meine Gedanken über Isabella gleiten, wenn man das so sagen kann. Ich meine, ich berühre sie nicht, ich denke auch nicht direkt an sie, sondern lasse sie am Rand meiner Gedanken auftauchen, ohne ihr näherzutreten oder mit ihr zu sprechen, ohne sie anzusehen."

(Kracht, Faserland)